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Bildung - Freiheit - Verantwortung

Bischofsempfang am 2. Januar 2011; von links: Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Bürgermeister Karl Meyer, Generalvikar Theo Paul
Bischofsempfang am 2. Januar 2011; von links: Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Bürgermeister Karl Meyer, Generalvikar Theo Paul

Professor Dr. Norbert Winkeljohann, Vorsitzender des Kuratoriums
Rede zum Bischofsempfang am 2. Januar 2011

Verehrter Herr Bischof, liebe Gäste,

wenn ich in die Runde blicke, sehe ich eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen. Mit unterschiedlichen Herkünften, mit unterschiedlichen Biografien, mit unterschiedlichen Vorstellungen von Leben und Glauben.

Als Vorsitzender des Kuratratoriums der Schulstiftung im Bistum Osnabrück möchte ich Sie alle in den nächsten Minuten anstiften, den Blick auf die Schulstiftung im Bistum zu lenken. Denn: Gute Schule hat viele Gesichter – Ihre, liebe Gäste des Neujahrsempfangs, gehören dazu.

Was will die Schulstiftung im Bistum Osnabrück heute leisten? Drei Punkte sind für mich von Bedeutung:

1. Die Schulstiftung ist eine öffentliche Stiftung – also eine Einrichtung, die sich selbst gehört. Sie ist nach kirchlichem Recht organisiert. Die Schulstiftung ist Trägerin der Schulen im Bistum Osnabrück. Das sind derzeit 11 Schulen in Niedersachsen und 6 Schulen im Bremen mit über 11600 Schülern. Mehr als 1000 Lehrerinnen, Lehrer und Angestellte sind bei der Schulstiftung.

2. Die Schulstiftung möchte die Finanzierung dieser und vielleicht weiterer Schulen auf eine unabhängigere Basis stellen. Dazu benötigt die Stiftung einen Kapitalstock. Dieser Kapitalstock wird angelegt und aus den Erträgen werden die Schulen mitfinanziert.

3. Im Schulalltag und in der Öffentlichkeit möchte die Schulstiftung daran mitwirken, dass den Schülerinnen und Schülern die richtigen Werte vermittelt werden. Wir beklagen häufig, dass unseren Kindern Wertmaßstäbe und Vorbilder fehlen. Christliche Lebensgestaltung und christliche Werteverantwortung auf der Grundlage des katholischen Glaubens stehen im Mittelpunkt der Stiftungsarbeit.

Die Schulstiftung des Bistums wird in 2011 zehn Jahre alt. Sie ist von dem, was ihre Schulen leisten, Champions League. Als Wirtschaftsprüfer muss ich aber auch sagen: Das dahinterliegende Stiftungskapital ist eher noch Kreisklasse.

Warum ist das so? Warum ist es so schwierig, einen herausfordernden wie doch klaren Auftrag in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen – nämlich die Symbiose von Schule und Stiftung? Und warum ist das so schwierig, wo doch die Stiftungs-Schulen selbst sich wahrlich nicht über einen Nachfragemangel beklagen können – wenn auch die Demografie in den nächsten Jahren ihre Spuren zeichnen wird.

In Amerika ist der Gedanke, Vermögen in das Gemeinwohl zu investieren, also zu spenden und zu stiften, viel vertrauter. Obwohl die steuerlichen Rahmenbedingungen bei uns für das Stiften günstig sind, braucht es noch einige Zeit, bis die erforderliche Stiftungskultur auch in Deutschland entstanden ist.

Ebenso wichtig wie das Finanzielle, ist die Positionierung der Schulstiftung als Teil des Öffentlichen Lebens. Wir müssen es schaffen, die Schulstiftung in den Köpfen von uns allen und insbesondere heutiger und späterer ehemaliger Schüler zu verankern. Auch dafür setzt setzen sich Kuratorium und Stiftungsrat der Schulstiftung ein.
Unsere Gesellschaft muss noch mehr verstehen, dass Investition in Bildung – und damit meine ich die Investition, die jeder einzelne von uns zu tätigen hat – eine Rendite verspricht, die kein Unternehmen auf dieser Welt erwirtschaften kann.

Die katholischen Schulen im Bistum sind aus Sicht der Stiftung – so haben wir es in der letzten Kuratoriumssitzung der Stiftung diskutiert – ein Wertebiotop. Ein Biotop, in dem wachsen und gedeihen kann, was uns der mediale Überdruss, die gefühlten Bedrohungen der Globalisierung und die Beliebigkeit im sozialen Miteinander zu entreißen drohen.

Dieses Wertebiotop will geschützt sein, es erhält sich nicht von alleine: Es braucht Hege und Pflege, sprich es braucht Wertmaßstäbe, es braucht Vorbilder, es braucht Ideen und es braucht Geld. Es braucht aktive Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir in den Schulen und in Stiftung wie bischöflicher Verwaltung längst finden. Es braucht aber auch ein Bekenntnis zu diesem Wertebiotop, damit es überhaupt wahrgenommen werden kann.

Ein Wertebiotop ist – wie jedes Biotop – auf der einen Seite Gefahren ausgesetzt. Neue Ansichten, expansive Pläne, rücksichtsloses Verhalten können es gefährden.

Auf der anderen Seite muss ein Wertebiotop immer wieder beweisen, dass es schützenswert ist. Dass es mit der Zeit geht und keine Gedanken vermittelt, die in heutiger Zeit nun einmal nicht mehr vermittelbar sind. Hierzu gehört ein aktiver Umgang mit Kultur und Religion. Ein Bekenntnis zur kulturellen Bildung. Ein Nährboden für Neugier und Kreativität.

Das Besondere an unseren katholischen Schulen ist ihr Verständnis als Erziehungsgemeinschaft: Lehrer, Eltern und Schüler sind gemeinsam für ihre Schule verantwortlich. Das sagt sich leicht in einer Zeit, in der die Elternrolle und das Verständnis vom Elternsein sich fundamental gewandelt haben. Das Miteinander dieser 3 Gruppen funktioniert zwar im Schulalltag – es will aber im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder neu „erkämpft“ werden. Gerade, wenn einer der 3 Partner Schwächen zeigt oder nicht kooperationsbereit ist.

Auch in einem Wertebiotop wächst, ich will es einmal so nennen, „Unkraut“. Ich spreche damit die Missbrauchsfälle an einigen katholischen Internaten in Deutschland an und die daraus resultierende Vertrauenskrise. Sie trifft vor allem die verfasste Kirche, die Institution: Leicht könnte man sich abwenden durch Kirchenaustritt und Steuerersparnis.

Aber genau das wollen wir nicht. Wir müssen an den katholischen Schulen dafür arbeiten, dass Vertrauen herrscht und der Wert unserer Wertegemeinschaft erkannt wird.

„Gute Schule machen“: Die Lehrerinnen und Lehrer in unseren Kollegien sind dabei, die Mitglieder im Stiftungskuratorium, der Stiftungsrat sowie die hauptamtlich Tätigen. Und an vorderster Front unser Bischof, unser Generalvikar und unser Stiftungsdirektor.

Ihnen allen danke ich für Ihre vielfältigen Aktivitäten. Ich bitte Sie alle weiterhin, zu Ihrer Arbeit in unserem Wertebiotop zu stehen, darüber zu sprechen, sich nicht hinter Bürokratie und Formalia zu verschanzen. Nur, wenn wir an katholischen Schulen auch mit der notwendigen Bürokratie anders als andere umgehen, bleiben wir glaubwürdig.

Danken möchte ich auch all jenen, die die Schulstiftung unterstützen: durch Worte, Taten, durch Geld und Initiativen. Eingangs habe ich es angesprochen: Unser Stiftungskapital ist zu gering. Wir müssen Mut machen und Spaß daran entwickeln, ins Gemeinwohl zu investieren. Und unsere Schulen leisten einen unschätzbaren Beitrag für soziale Kohäsion, für Ausbildung, für ein Miteinander, das gelingen kann. Später wird Herr Bürgermeister Karl Meyer aus der Stadt Twistringen darüber sprechen, was das Gymnasium Twistringen für seine soziale Gemeinschaft vor Ort nach Übernahme in die Schulstiftung zu leisten im Stande ist.

Liebe Gäste, eines der Hauptprobleme für die weitere Entwicklung der Schulstiftung besteht darin, dass wir unendlich viele Worte brauchen, um den Sinn dieser Trägergemeinschaft zu erklären. Es gibt wunderbare Broschüren, vielfach ausgedachte und reflektierte Ansätze, was denn katholische Schule ausmacht.

Ich bin selbst kein Experte auf diesem Gebiet, werde mich deshalb einer elaborierten Ausführung zu diesem Thema enthalten. Schließen möchte ich stattdessen mit der Fokussierung auf drei Aspekte, die quasi den „Markenkern“ der Schulstiftung im Bistum Osnabrück bilden. Vom Markenkern sprechen die Werbefachleute, wenn es darum geht, kurz und prägnant einen Begriff im Bewusstsein der Rezipienten zu verankern. Drei Begriffe sind dies für die Schulstiftung im Bistum Osnabrück:

Bildung. Freiheit. Verantwortung.

Bildung als sinnstiftende Arbeit, die an unseren Schulen geleistet wird, verbunden mit pädagogischer Professionalität – eine christlich geprägte, ethische von unserem Bischof höchstpersönlich mitgetragene Bildung.

Freiheit: Die Förderung einer freien Entfaltung junger Menschen, unabhängig von der Leistungsfähigkeit eines jeden. Kein Umformen, sondern fähig machen, als freier Mensch mit den übergeordneten Möglichkeiten unserer Welt umzugehen. Frei zu sein für etwas – aber auch frei zu sein von etwas.

Verantwortung: Verantwortung übernehmen unsere Schulen für eine größere Chancengerechtigkeit junger Menschen. Sie übernehmen auch Verantwortung, Eltern in ihrer Rolle und Aufgabe zu unterstützen, sie auch an die familiäre Erziehungspflicht zu erinnern. Selbstverantwortung wird an den Schulstandorten ernst genommen und lebt. Unsere Schülerinnen und Schüler lernen, Verantwortung für sich selbst, für andere und für die Umwelt zu übernehmen.

Liebe Gäste, arbeiten Sie mit, das Wertebiotop Schulstiftung Osnabrück blühen und gedeihen zu lassen. Helfen Sie mit, Zäune, die es manchmal umgibt, niederzureißen. Achten wir es gemeinsam – unsere Kinder werden es uns danken.